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Kultur, Programme, Veranstaltungen, Einrichtungen

Nach dem Zweiten Weltkrieg unterlagen Aktivitäten im kulturellen Bereich zunächst auch der Kontrolle durch die Besatzungsmacht. Dafür zuständig war anfangs Lieutenant Robert Sage - ein junger, zurückhaltender und vernünftigen Vorschlägen zugänglicher Mann. Er selber kümmerte sich um die Wiederbelebung kultureller Institutionen durch personelle Besetzung. Und bei ihm sprachen bald die ersten Interessenten für "Lizenzen" vor. Deutscher "Kulturbeauftragter" wurde im Juli 1945 Kurt Fried. Bis 1933 war er Feuilletonredakteur der demokratischen "Ulmer Abendpost" gewesen. Während der Nazizeit war ihm eine publizistische Tätigkeit versagt. Von ihm gingen wichtige Impulse für das kulturelle Leben der Stadt bis zum offiziellen Ende des Amtes 1950 aus. Seine Vorschläge zum Wiederaufbau des kulturellen Lebens in Ulm von 1945 eignen sich in besonderer Weise zur kritischen Analyse der geistig-kulturellen Nachkriegssituation.

Das kulturelle Leben in Ulm nach dem Zweiten Weltkrieg war deutlich akzentuiert, vielfältig und von Neuansätzen geprägt, die teilweise weit über Ulm hinaus wirkten und wurde bereits damals von der Stadt mit erheblichen Mitteln gefördert.

Wie wichtig das kulturelle Leben für die Menschen damals war, zeigt die Entwicklung des Theaters 1945. Die Initiative dazu ging von einer Gruppe von Schauspielern aus, die der Zufall hierher verschlagen hatte. Alfred Mendler, ein alter Ulmer, scharte sie um sich und erwirkte im Juni 1945 von Lieutenant Sage die 32. Theaterlizenz der US-Zone. Für die Turnhalle der Wagnerschule, die 472 Besuchern Platz bot, entstanden selbstproduzierte Requisiten, Inventar wurde "organisiert". Mit Werken von Curt Goetz, Shakespeare, Bahr und Goethe bestritt man die erste Spielzeit. Zunächst war das Theater ein Privatunternehmen, an dem die Bevölkerung so regen Anteil nahm, dass es ohne Zuschüsse auskam und für das sogar gelegentlich Karten auf dem Schwarzen Markt gehandelt wurden.

Daneben war die 1946 gegründete Ulmer Volkshochschule mit ihren Veranstaltungen anfangs von großer Bedeutung, geriet jedoch bald in eine erhebliche Krise.

Weltgeltung erlangte in den fünfziger und sechziger Jahren die Hochschule für Gestaltung (HfG). Trägerin der Hochschule für Gestaltung war die Geschwister-Scholl-Stiftung, die 1950 von Inge Aicher-Scholl im Gedenken an ihre 1943 hingerichteten Geschwister Hans und Sophie Scholl gegründet wurde. 1953 konnte der Lehrbetrieb aufgenommen werden und 1955 wurden die neuen Gebäude am Oberen Kuhberg eingeweiht. Die Ausbildung war auf vier Jahre angelegt. Nach dem Grundstudium im ersten Jahr waren die folgenden drei Jahre der Vertiefung in den Fachgebieten Produktgestaltung, Visuelle Kommunikation, Architektur/Bauen, Information (bis 1964) und Film gewidmet, wobei letzteres bis 1961 bei der visuellen Kommunikation beheimatet war und ab dann als eigenständiges Fachgebiet weitergeführt wurde. Die HfG bestand noch bis 1968.

Die erste Zeitung in deutscher Sprache waren "Die Mitteilungen", ein alliiertes Nachrichtenblatt, das kostenlos an die Bevölkerung abgegeben wurde. Als erstes von deutschen hergestelltes Druckerzeugnis erschien am 23. Juni 1945 das "Amtsblatt", das ausschließlich Bekanntmachungen und Kleinanzeigen enthielt und für das der OB verantwortlich war. Die erste deutsche Tageszeitung, die eine Lizenz durch die amerikanische Nachrichtenkontrolle erhielt, war die Schwäbische Donau-Zeitung, die am 10. November 1945 erstmals erschien. Bis zum Sommer 1946 wurde sie in Blaubeuren gedruckt. Wegen Papiermangels erschien sie lange nur zwei-, später dreimal wöchentlich, erst ab 1. Dezember 1948 dann täglich.