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Ulm unter bayerischer Herrschaft

Am 29. November 1802 erfolgte der formelle Übergang mit der Vereidigung der städtischen Bediensteten auf den bayerischen Kurfürsten durch das Versprechen, alle „landesherrlichen Gesetze, Befehle und Verordnungen pünktlich in Vollzug bringen zu wollen“. Bürgermeister, Rat und Beamte wurden namens der Reichsdeputation von ihren Pflichten gegenüber Kaiser und Reich entbunden, bis auf Weiteres aber zur Wahrnehmung aller ihrer bisherigen Ämter und Aufgaben verpflichtet.
Nach außen wurde das Ende der reichsstädtischen Epoche mit dem Verbot der Abhaltung des Schwörmontags 1803 sichtbar.
Am 23 . Juli 1804 wurde der noch aus der Reichstadtzeit provisorisch amtierende Rat aufgelöst und eine neue Stadtverfassung dekretiert. Der neue Rat erhielt die Bezeichnung „Verwaltungsrat“ und war in seiner Zuständigkeit nur noch auf die Stadtmarkung beschränkt. An seine Seite wurden Polizeidirektion und Stadtgericht als selbständige staatliche Organe gestellt. Die Machtfülle des alten reichsstädtischen Rats, der alle drei Gewalten (Exekutive, Legislative und Jurisdiktion) in sich vereinigte, war damit aufgehoben: Der autonomen Stadtregierung folgte die Zeit der Unterordnung unter landesherrliche Verwaltung. Über dem Verwaltungsrat stand der vom Kurfürsten eingesetzte Stadtkommissär, der das Vetorecht gegen Beschlüsse des Verwaltungsrats besaß. Der erste Verwaltungsrat bestand noch aus vom Kurfürsten ernannten Mitgliedern. Künftig frei werdende Stellen sollten durch indirekte Wahl der Bürger wiederbesetzt werden. Zu diesem Zweck wurde die Stadt durch kurfürstliches Schreiben vom 16. November 1804 in acht Viertel untergliedert, welchen je ein Viertelsmeister vorstand. Die ersten Amtsinhaber wurden gemeinsam von Verwaltungsrat und Polizeidirektion vorgeschlagen und von der Landesdirektion bestätigt. Für die Zukunft bekamen die Bürger das Recht, drei Kandidaten für diesen Posten durch Stimmenmehrheit zu wählen und dem Magistrat vorzuschlagen, der einen davon auswählte und vom Stadtkommissär bestätigen ließ. Im Falle einer neu zu besetzenden Ratsstelle hatten die Viertelsmeister die Aufgabe, die Wahlversammlung zu leiten. Aus jedem Viertel sollten 6 – also insgesamt 48 - Männer gewählt werden, die wiederum mit Stimmenmehrheit 3 Personen auswählten. Der älteste Viertelsmeister benannte diese drei dem Rat, der einen als Mitglied bestimmte und der Landesdirektion zur Bestätigung vorlegte. Unter denselben Modalitäten wählte jedes Stadtviertel auch einen Vertreter in den achtköpfigen Bürgerausschuss, der jedes Jahr zur Hälfte neu besetzt wurde und befugt war, vom Verwaltungsrat Rechenschaft über die städtischen Finanzen zu verlangen.
Durch die Konstitution von 1808 sollte aus Altbayern und den neu erworbenen Gebieten ein einheitlicher Staat gebildet werden. Dazu wurde das 1806 zum Königreich erhobene Bayern auf der mittleren Verwaltungsebene in Kreise eingeteilt und in diesem Zusammenhang die Landesdirektion Schwaben (Sitz: Ulm) zu einem Generalkommissariat des Oberdonaukreises (Sitz: Ulm) umgebildet. Die Gemeindeedikte vom 28. Juli bzw. 24. September 1808 sahen eine einheitliche „Munizipalverfassung“ vor. In Ulm wurden Anfang Januar 1810 die von Polizeikommissariat und Verwaltungsrat vorgeschlagenen 10 Wahlmänner, die den neuen „Munizipalrat“ wählen durften, vom Generalkommissariat bestätigt. Zur Wahl kam es wegen des 1810 bevorstehenden Übergangs an Württemberg jedoch nicht mehr.