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Vormärz und 48er Revolution

Die für die Entstehung von verschiedener Oppositionsbewegungen einschlägige Epoche des Vormärz erlebte Ulm unter der Herrschaft Württembergs, wo bereits im Jahr 1819 eine für damalige Verhältnisse progressive Verfassung installiert wurde. Oppositionelle politische Äußerungen waren gleichwohl angesichts der im gleichen Jahr erlassenen Karlsbader Beschlüsse erschwert. Neben temporären politischen Aktionen wie Solidaritätskampagnen für die griechische und die polnische Freiheitsbewegung in den 20er und 30er Jahren formierten sich auch in Ulm eine Reihe bürgerlicher Vereine. Ungeachtet der Demagogenverfolgung im Anschluss an das Hambacher Fest kam es in Ulm wie andernorts zu Politisierungstendenzen. Neben den Turnern taten sich in diesem Zusammenhang v.a. die Sängervereinigungen hervor, was Veranstaltungen wie das erste deutsche Liederfest in Ulm 1836 bezeugen.
Die Wirtschafts- und Versorgungskrisen der 1840er Jahre gingen an Ulm nicht spurlos vorüber. Die allgemeine Unzufriedenheit mit der Versorgungslage machte sich am 1. Mai 1847 im so genannten „Brotkrawall“ Luft, der für etliche Teilnehmer längere Freiheitsstrafen nach sich zog.
Eine Welle umfassender Politisierung ging in den Revolutionsjahren 1848/49 über das Land. Nach dem Sturz der französischen Monarchie kam es im deutschen Südwesten ab Ende Februar 1848 zu einer Reihe von Volksversammlungen, die eine Vielzahl von konkreten politischen Forderungen wie Pressefreiheit, Volksbewaffnung, nationales Parlament usw. erhoben. Auch die Ulmer Schnellpost vom 1. März und eine Bürgerversammlung vom 2. März 1848 machten sich diese Forderungen zu eigen. Die Monarchien wichen zurück bzw. kamen der revolutionären Bewegung taktisch entgegen. Die kommenden Monate sahen eine zunehmende Ausdifferenzierung des revolutionären politischen Spektrums. Neben einer starken Richtung der Liberalen um Konrad Dietrich Haßler verschafften sich auch die Demokraten Gehör, etwa in Person von Georg Bernhard Schifterling, der auch die Ulmer Arbeiterbewegung mit aus der Taufe hob. Die soziale und politische Heterogenität der Revolutionäre erwies sich bald als Schwäche. Mangelnde Durchschlagskraft war die Folge. So erlangten die konservativen Kräfte, die in Ulm mit der „Ulmer Kronik“ publizistisch Flagge zeigten, im Verlaufe des Revolutionsjahres wieder die Oberhand. Die Ablehnung der Reichsverfassung durch den preußischen König Friedrich Wilhelm IV. war Anlass für die so genannte Reichsverfassungskampagne. Auch Ulm hatte Anteil an diesem Versuch zur Durchsetzung der Reichsverfassung im Frühjahr 1849, was u.a. die Volksversammlung vom 22.4.1849 belegt, die mehrere tausend Teilnehmer zählte. Auch schlossen sich alle demokratischen Vereine Ulms im Jahr 1849 dem Zentralmärzverein an. Mit ihrer blutigen Niederschlagung durch preußische Truppen fand die Reichsverfassungskampagne und mit ihr auch die Revolution im Juli 1849 ihr Ende.