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Die NSDAP in Ulm vor 1933

Schon im April 1921 fragte ein gewisser A. Straub bei der Parteizentrale in München wegen der Gründung einer Ortsgruppe in Ulm an. Es dauerte dann allerdings bis zum 6. 11. 1922, ehe die gemeinsame Ortsgruppe Ulm/ Neu-Ulm entstand. Bereits 1923 wird auch eine erste SA-Gruppe ins Leben gerufen. Nach der Neugründung der Partei im Jahre 1926, die wegen des Parteiverbots im Zusammenhang mit dem Hitler – Ludendorff – Putsch vom November 1923 notwendig wurde – übernahm Wilhelm Dreher die Leitung. Dreher, der 1918 am Kieler Matrosenaufstand teilgenommen hatte und bis 1923 noch der SPD angehörte, sorgte dafür, dass auf lokaler Ebene dank seiner Beziehungen zur höchsten Parteiprominenz (er war mit Hitler persönlich bekannt, der mehrmals bei Veranstaltungen in Ulm als Hauptredner auftrat) und dank unablässiger Agitation in Form von Aufmärschen, Veranstaltungen und gewaltsamen Auseinandersetzungen die Präsenz der Partei gefestigt wurde. Die Reaktion auf das gewaltsame Auftreten der NSDAP und der SA in Ulm reichten – wie die nachfolgenden Quellen zur Ulmer Situation belegen – von beifälliger Zustimmung über wegsehendes Ignorieren (Ulmer Schutzpolizei etwa) bis hin zum gewaltsamen und durchaus stolzen Zurückschlagen (Mitglieder der linken Parteien).
Bei den Reichstagswahlen vom Mai 1924 kam die NSDAP auf Anhieb auf knapp 5 % der Stimmen, bei den folgenden beiden Wahlen blieb sie dann mit unter 4 % bedeutlungslos, seit 1930 war sie stärkste Partei in Ulm. Im Dunstkreis ehemaliger Frontsoldaten bildeten sich ab 1919 viele Ableger von republikfeindlichen Reichsorganisationen (vgl. 3.3.) in Ulm, die mehr oder weniger offen mit der NSDAP sympathisierten.
1931 zählte die Ulmer Ortsgruppe ungefähr 1000 Mitglieder. Sie legte sich mit dem „Ulmer Sturm“ ein eigenes Kampfblatt zu, dessen erster Herausgeber Wilhelm Dreher war. Im Zuge einer allgemeinen Parteiumstrukturierung erfolgte 1932 die Abtrennung der Neu-Ulmer Ortsgruppe. Die Partei organisierte sich nun nach Kreisen. Dem Kreisleiter von Ulm, Eugen Maier, unterstanden die Stadt- und Landortsgruppen.