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Löschwasser und Feuerwehr

Brände waren seit jeher eine ständige Bedrohung für die Bausubstanz der im Mittelalter entstandenen Städte. Die tragende Konstruktion der meisten Häuser bestand aus Holz, für Wände oder Fachungen der Fachwerkhäuser verwendete man eine Mischung aus Lehm und Holz sowie für die Dächer Holzschindeln – also leicht entzündliche Materialien.
Aufgrund der dichten Bebauung konnte ein Feuer sich sehr schnell ausbreiten.
Der Chronist Sebastian Fischer behauptete, dass Ulm 1348 „zwischen Weihnachten und Lichtmeß“ komplett niedergebrannt sei, allerdings findet sich kein Beleg für diese Aussage. Belegt hingegen ist für Brandstiftung das Verbrennen bei lebendigem Leibe als Strafe – 1552 wurde auf diese Weise ein Schulmeister gerichtet, der wegen eines Streits, den seine Frau mit einem anderen „Weib“ begonnen hatte, zum Brandstifter geworden war.
Zur Brandbekämpfung wurden in Ulm Ledereimer benutzt, welche an den Brunnen gefüllt und an zentralen Stellen gelagert wurden. In der frühen Neuzeit wurden Feuerordnungen erlassen, welche im Ernstfall das Löschen regelten. So war zum Beispiel festgelegt, dass jede Zunft pro 5 Mitglieder einen Löscheimer stellen musste. Die größte Ulmer Zunftgemeinschaft der Weber musste 72 Eimer bereitstellen, während kleinere Zünfte, wie die der Müller oder der Bader, lediglich vier bzw. sechs Eimer stellen mussten.
Die Feuerordnung aus dem Jahre 1476 verpflichtete alle Bürger, im Falle eines Feuers zu festgelegten Sammelplätzen zu laufen, damit sie von dort aus zum Löscheinsatz verteilt werden konnten. Doch auch die Zünfte erhielten in der sechs Jahre später erlassenen Ordnung genaue Instruktionen, wo und wieviele ihrer Mitglieder sich zum Feuerlöschdienst einzufinden hatten.
Alarmiert wurden die Ulmer durch das „geschray“ oder „Feurio -Schreyen“, den Feuerruf. So unterbrach Sebastian Fischer zufolge der „Feurio“ - Ruf am 22. Januar 1547 die Predigt Martin Frechts in der Pfarrkirche (Münster). Nachdem sich herausstellte, dass es sich lediglich um einen Kaminbrand handelte, setzte Frecht die Predigt fort. Abgelöst wurde der Feuerruf durch die Münsterfeuerglocke.
Brannte ein Gebäude nieder, wurden Sammlungen unter der Bürgerschaft veranstaltet. In den Quellen findet sich ein Fall vom 8. September 1550: Beim Büchsenstadel brannte in den frühen Morgenstunden ein Haus bis auf die Grundmauern nieder, mit Geldspenden wurden danach die Brandopfer unterstützt.
Vom 21. Februar 1708 ist ein Verzeichnis erhalten, welches den technischen Fortschritt auf dem Gebiet der Brandbekämpfung dokumentiert. In einem Büchlein, welches durch seinen mit Blüten verzierten Einband mehr einem Poesiealbum als einem amtlichen Verzeichnis ähnelt, sind sämtliche „Feuerwägen und Ziegerling [zu ziehende Wägen], worauff Laiter, Hacken, […], Sprützen, Keßel, Ständer und Waßerfaßkarren“ verzeichnet; ebenso deren Standort, wer diese führte und wer zu deren Besatzung bestellt worden war.
So stand „Im Pfleghoff Ein neues doppeltes Werck, worauff mann den Schlauch undt das Wendtrohr zuegleich gebrauchen kan“, und eine der insgesamt 26 kleinen und großen Feuerspritzen befand sich, auf einer Tragbahre montiert, am Rathaus. Diese Aufstellungen der vorhandenen Feuerlöschgeräte wurden regelmäßig aktualisiert.
1779 holte die Stadt ein Angebot der Reutlinger Feuerspritzen – Meister Kurz und Sohn ein, welches detailliert die Art und Herstellungskosten der verfügbaren Spritzen angab. Die Stadt Reutlingen attestierte Kurz und Sohn in einem Schreiben auf demselben Angebot, dass diese bereits rund 90 Spritzen hergestellt und diese auch repariert hätten und ihre Arbeit „die beste Prob hält“.
1806 stellte die Königlich – Bayrische Landesdirektion die erste militärische Feuerwehr in Ulm auf. 1947 bezeichnete der amtierende Brandinspektor Hollerbach in einer Rede zum 100jährigen Jubiläum der Freiwilligen Feuerwehr Ulm dieses Korps, dem nur „Leute mit einwandfreiem Leumund“ angehören durften, als das wohl erste militärisch organisierte Korps in Württemberg.
1847 stellte der 1. Turnwart der Turngemeinde 1846, Conrad Dietrich Magirus, aus 32 Turnern eine „Steigerabteilung“ auf und gründete so die Freiwillige Feuerwehr Ulm. Da trotz anfangs steigender Mitgliederzahlen die „Begeisterung zur freiwilligen Dienstleistung“ nachließ, stellte die Stadt 1860 parallel zur freiwilligen eine Pflichtfeuerwehr auf, zu der Männer zwischen 18 und 40 Jahren eingezogen wurden. Die insgesamt 1400 Männer der beiden Wehren (davon 185 Freiwillige) arbeiteten Hand in Hand.
Für diese Pflichtfeuerwehr wurde 1861 ein Compagnie - Reglement veröffentlicht, welches die Statuten dieser Wehr aufzeichnet: Die Wehr bestand aus vier Zügen, der Steiger-, Rettungs-, Spritzen- und Zubringerabteilung. Da die Steiger Mauern einreißen und Menschen abseilen mussten, wurden hier nur kompetente Steiger, Maurer und Zimmerer eingesetzt. Die Rettungsabteilung war, anders als der Name vermuten ließe, nicht für die unmittelbare Rettung von Menschen, sondern von wertvollen Gegenständen zuständig. Sie bewachte zudem die Brandstätten, um Plünderungen zu vermeiden. Den Chirurgen und Trägern der Rettungsabteilung oblag der Abtransport und die Betreuung der Opfer. Während die Spritzenabteilung die großen Wagenspritzen bediente, musste die Zubringerabteilung den geeigneten Standort für den Anschluss finden. Fand sich kein geeigneter „Feuerhahn“ oder Zugang zum Fluss, mussten sie in Kesseln und Butten das Löschwasser heranschaffen. Die Statuten verzeichnen auch die vorhandenen Feuerhähne: An den Brunnenwerken waren 27 Anschlüsse vorhanden, rechts der Blau 21, links der Blau 27, am Stadtgraben 12 und an der Donau 16 Anschlüsse.
Ab 1861 war eine ständige, mit 8 Mann besetzte Feuerwache im Rathaus anwesend, welche 1865 per Telegraf eine dauernde Verbindung zur Polizeiwache hatte. Durch den Bau einer Wasserleitung mit Hydranten im Jahr 1872 wurde dann die Aufstellung einer Hydrantenabteilung notwendig, welche ausschließlich mit deren Bedienung beauftragt war.
Conrad D. Magirus, der seit 1847 der Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr Ulm und seit 1864 „Fabrikant von Feuerwehr – Requisiten“ war, veröffentlichte 1877 einen Band über Das Feuerlöschwesen. Neben der Geschichte des Löschwesens und der technischen Geräte bis zu Magirus´ Zeit enthielt das ausführliche Nachschlagewerk auch „neue Impulse für den Feuerlöschdienst“ in Form von Leitfäden zur Organisation einer Feuerwehr, möglichen Brandursachen und dem Verhalten im Brandfall. Magirus erstellte in einer Beilage zu „den Local-Blättern“ am 1. Januar 1880 auch erstmals eine Brandstatistik für die Stadt Ulm. (vgl. „50 Jahre Freiwillige Feuerwehr Ulm“ Festschrift von 1897). Ziel dieser Statistik sollte es sein, die Leistung der Wehr zu beurteilen und durch die Lokalisierung typischer Brandorte präventiv arbeiten zu können.
Nachdem 1891 „als vollauf der Neuzeit entsprechende“ Löschgeräte angeschafft worden waren, konnte man auf die Dienstverpflichtung verzichten, welche durch eine Feuerwehrabgabe zwischen 3 und 30 Mark ersetzt wurde. Mit diesen Einnahmen wurden die Kosten der Freiwilligen Feuerwehr gedeckt. Ein Jahr später bildete die Freiwillige Feuerwehr ein „selbständiges Korps aus 3 Kompagnien, der Steiger-, Rettungs- und Spritzenkompagnie“. An die Steigerkompagnie angeschlossen war ein sog. Schulzug, der für die Ausbildung neuer Freiwilliger zuständig war.
Die Telegrafenverbindung aus dem Jahr 1865 wurde 1901 durch eine Feuermeldeanlage abgelöst. Dies machte die Gründung der „Weckerlinie“ nötig. Dieser Zug stand mit einem Mannschaftswagen, einer 18m hohen Drehleiter und einer Motorspritze ständig in Bereitschaft; die Männer der Weckerlinie wohnten allesamt zentral in der Altstadt, um schnell einsatzbereit zu sein. Im Zuge der Stadterweiterung nach Westen kam bald ein zweiter Zug hinzu, um eine zügige Brandbekämpfung im gesamten Stadtgebiet gewährleisten zu können. Doch die Einführung der Weckerlinien hatte sinkende Freiwilligenzahlen zur Folge, und 1910/11 löste man Steiger- und Rettungskompagnie auf und teilte sie in zwei gemischte Reservezüge ein, die ständige Nachtwache wurde aufgehoben, 1913 gab es auch die Rettungskompagnie nur noch in der Form eines Reserve- und Ausbildungszuges.
Die Kriegsjahre 1914 – 18 forderten auch von der Freiwilligen Feuerwehr ihren Tribut, 54 Mann starben „den Heldentod“, die Zahl der Männer für die beiden Weckerlinienzüge sank auf insgesamt 22.
In den folgenden Jahren stiegen die Mitgliederzahlen wieder an, und technische Neuerungen ermöglichten eine immer effizientere Feuerwehr. Söflingen und Wiblingen erhielten eigene Feuerlöschzüge.
Im Jahr 1931 drehte eine amerikanische Filmgesellschaft einen Tonfilm auf dem Münsterplatz, in dem die „neuesten großen Magirusleitern zur Geltung“ kamen. Ein Jahr später schaffte die Stadt Ulm eine Dampfspritze der Firma Magirus an, welche dann im Herbst des selben Jahres bei einer Übung auf der Wilhelmsburg erprobt wurde. Gespeist wurde diese Autospritze dabei aus dem Wasserreservoir der Wilhelmsburg.
Im gleichen Monat fand auch eine Vorstellung der neuesten Magirus - Spritzenfahrzeuge auf dem Münsterplatz statt. 14 Spritzenfahrzeuge (welche anschließend nach Istanbul ausgeliefert wurden), sieben Tankfahrzeuge mit einem Volumen von 1750 l und einer Hochdruck – Kreiselpumpe (1400 l/min Leistung) sowie vier Transportwagen mit „aufgeprotzter“ Kleinmotorspritze waren zu bewundern.
Am Beginn des 2. Weltkrieges wurde die Freiwillige Feuerwehr dann der Polizei unterstellt und für den Luftschutz abgestellt. Zu Kriegsende waren sowohl das Alarmsystem als auch die Wohnungen der in der Altstadt ansässigen Männer der Weckerlinie zerstört. Aufgrund von Personalmangel wurde 1945 die Einrichtung einer 24köpfigen Berufsfeuerwehr nötig. Beide Wehren erhielten anfangs von der amerikanischen Militärregierung die nötige technische Ausrüstung. Bis zum Wiederaufbau der Feuermeldeanlage dienten 25 Straßentelefone im ganzen Stadtgebiet als Feuermelder.
Im Laufe des 20. Jahrhunderts ergänzten Unfall- und Katastrophenhilfe das Arbeitsgebiet der Wehren. Ebenfalls im 20. Jahrhundert wurden die Ortsfeuerwehren der einzelnen Stadtteile von der zentralen Ulmer Wehr losgelöst, so erhielt Wiblingen im Juni 1928 eine separate Feuerwehr. Die Ulmer Feuerwehr unterstützte aber weiterhin die kleineren Ortsfeuerwehren: So wurde im Januar 1928 eine Motorspritze aus Ulm nach Beimerstetten gebracht, um dort beim Löschen des Kirchturms zu helfen.