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Wasserversorgung Ulms seit dem 19. Jahrhundert

In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurden die aus der Reichsstadtzeit stammenden Wasserversorgungsanlagen kaum modernisiert, so dass die Brunnenwerke zunehmend verfielen. Erst auf Druck des Oberamts wurden in den 1830er Jahren schadhaft gewordene Holzrohre teilweise durch zeitgemäße Rohre aus Ton, sogenannte "irdene Teichel", ersetzt. Stadtbaumeister Ferdinand Thrän, der 1844 sein Amt antrat, machte den maroden Zustand der Wasserversorgungsanlagen deutlich und plädierte für einen völligen Umbau der Brunnenwerke, die er für reparaturunfähig hielt. In den folgenden Jahren entstand eine lebhafte Diskussion zwischen Thrän und dem Stadtrat, der zwar den verwahrlosten Zustand der Wasserversorgung erkannte, eine Reparatur aber für möglich hielt. Thrän ging im Juni 1850 mit einer vierseitigen Extra-Beilage zur Ulmer Zeitung in die Offensive, in der er u.a. einen Wasserverlust von 38 % durch schadhafte Rohre errechnete und darauf hinwies, dass in den 30 Jahren zuvor durch den Verfall der Werke immer wieder verbotenerweise Wasser minderer Qualität aus der Blau dem Quellwasser hinzugefügt wurde.
Diskussionen rief auch die Frage hervor, ob die alten Rohre aus Holz und Ton durch neue gusseiserne Rohre, eine relativ neue Technologie, ersetzt werden sollten. Dem Vorteil der größeren Haltbarkeit und Dichtigkeit standen die höheren Kosten und Berichte aus anderen Städten über das Verstopfen der Rohre durch Eisenoxid-Ablagerungen gegenüber. Schließlich rang sich der Stadtrat 1853 zur Entscheidung durch, gusseiserne Rohre anzuschaffen, und 1860 folgte der Beschluss zum Tiefergraben der vorhandenen Brunnen und zur Anschaffung neuer moderner Maschinen für das Neutor- und Kohlenstadel-Brunnenwerk, die 1863 und 1864 in Betrieb gingen.
Alle diese Maßnahmen waren nur bedingt erfolgreich. Es fehlte an ausreichend Quellwasser zur Versorgung der wachsenden Bevölkerung. Die Zumischung von Blauwasser und Oberflächenwasser kam nur im beschränkten Umfang in Frage, da auch schon das Quellwasser mit Ammoniaksalzen und Exkrementen aus den oft undichten Abortgruben und Kloaken belastet war, wie Wasseruntersuchungen ergaben.
Um die Versorgung sicherzustellen, suchte man nach Quellwasser am Südrand der Schwäbischen Alb. Ulm entschied sich zunächst für eine Karstquelle im Weiherbachtal in Herrlingen, 1886 bis 1888 wurde eine Karstschüttung im kleinen Lautertal, der sog. "Kalte Brunnen", für die Wasserversorgung nutzbar gemacht. Das Wasser floss über eine gusseiserne Leitung in ein Reservoir beim Gaswerk (Standort: Kreuzung Karlstraße/Neutorstraße). Dort wurde es mittels Dampfkraft in den Hochbehälter am Michelsberg gepumpt. Das ermöglichte es, das Wasser auch in höher gelegene Stockwerke zu führen. Die Anlagen reichten nach der Jahrhundertwende nicht mehr aus. Daher wurden weitere Wassergewinnungsmöglichkeiten im Iller-Donau-Dreieck, der sog. "Roten Wand" erschlossen. Hier wurden zusammen mit dem Kraftwerk Wiblingen 1905 bis 1907 Vertikal- oder Schachtbrunnen und ein zentrales Pumpwerk, das bis Anfang der 60er Jahre in Betrieb war, gebaut. Ein neuer Hochbehälter am Mittleren Kuhberg wurde 1907 in Betrieb genommen. Erweiterungen der Wasserversorgung erfolgten 1961 bis 1966 mit dem Bau eines weiteren Horizontalfilterbrunnens im Iller-Donau-Dreieck und der Errichtung neuer Hochbehälter auf dem Eselsberg und im Klosterwald, einer Zwischenpumpstation auf dem Kuhberg und einer Verbindungsleitung vom Kuhberg zum Eselsberg. Um im Notfall von der Trinkwassergewinnung der Stadtwerke unabhängig zu sein und um den Wasserbedarf der im Aufbau begriffenen Universität Ulm zu decken, beschloss der Gemeinderat 1970 den Anschluss Ulms an die Fernwasserversorgung des Zweckverbandes Landeswasserversorgung. Mit der Gründung der Stadtwerke Ulm/Neu-Ulm als GmbH privaten Rechts zum 01.01.1983 übernahmen die Stadtwerke auch die Wasserversorgung von Neu-Ulm. Während des sogenannten Pfingsthochwassers 1999 musste fast die gesamte Trinkwasserförderung durch die Stadtwerke Ulm/Neu-Ulm eingestellt werden, so dass Ulm und Neu-Ulm verstärkt über den Zweckverband Landeswasserversorgung mit Trinkwasser beliefert werden mussten.