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Erziehung zur Demokratie durch das Stadtarchiv

Kindgerecht mit Rap, Kinderbuch und Videokonferenz durch den Schwörmontag

Das Maskottchen, die zeitreisende Schnecke "Prof. Flitz"

© Stadtarchiv Ulm

Das Maskottchen, die zeitreisende Schnecke "Prof. Flitz"

Unter Hochdruck entstehen derzeit im Ulmer Haus der Stadtgeschichte/Stadtarchiv drei digitale Vermittlungs-Konzepte, um Schülerinnen und Schülern anhand der Ulmer Schwörtradition den Wert eines demokratischen Systems kindgerecht nahezubringen. Die Idee, das Ulmer Verfassungsfest im Corona-Jahr und dann darüber hinaus für Schüler ins Netz zu bringen, entstand im Austausch zwischen der Kulturabteilung, der Abteilung Bildung und Sport und dem Stadtarchiv insbesondere in Hinsicht darauf, dass die Schulen an diesem Schwörmontag regulären Unterricht abhalten werden. Es war schnell klar, dass wir den Kindern gerade jetzt die Demokratie-förderlichen Hintergründe unseres Stadtfests und seine Frieden stiftenden Elemente näherbringen wollen. Wie das jüngste Stuttgarter Beispiel eindringlich zeigt, öffnen Krisen schließlich auch Einfallstore für Konflikte und extreme Ideologien.

Als die Idee geboren wurde, waren es aber gerade noch drei Wochen bis Schwörmontag. Neben einem Schwörmontags-Rap-Video und einem Kinder-Werkheft wird derzeit eine digitale Didaktikeinheit für Grundschüler via Videokonferenz konzipiert. Die drei Module bauen aufeinander auf, können aber auch einzeln genutzt werden. Sie nehmen die Frieden stiftenden demokratischen Werte des Schwörmontags in den Fokus. Gerade in Zeiten, in denen Demokratiebildung und Kulturvermittlung auf digitalem Wege stattzufinden hat, kommt das Stadtarchiv so in den Unterricht. Die Kinder sollen so mit möglichst vielen Sinnen und unterschiedlichen Medien angesprochen werden, um sie für Demokratie und Gerechtigkeit zu begeistern. So kam die Idee zu einem Rap über den Schwörmontag, der nun mit Kindern aus der Kinder-, Jugend- und Familienhilfe Guter Hirte e.V. eingesungen wird.

© Haus der Stadtgeschichte - Stadtarchiv Ulm

Der Schwörmontags-Rap erzählt, wie der blutige Machtkampf zwischen Zünften und Patriziern im Mittelalter durch die Verfassung der Schwörbriefe beendet wurde und so ein erster wichtiger Schritt in Richtung Demokratie war.

Bei der Leiterin der Jugendhilfe-Einrichtung "Guter Hirte e.V.", Susanne Denoix, stieß die Kulturpädagogin des Stadtarchivs, Kathrin Thumerer, auf offene Ohren. Gemeinsam mit Hip Hop-Coach Philipp Raiß arbeitet sie nun seit Anfang Juli mit den Kindern. Mit großer Begeisterung sowie reichlich Sanges- und Performance-Talent bereiten sich die Kids nun auf den Termin im Tonstudio bei Daniel Konold vor. Für Dienstag, 14.7., sind Videoaufnahmen mit dem Startup-Filmer Frederik Birk geplant. Der Beat stammt von Mahdi Aouadhi aka "The Chkoz". Die Kinder machten sich durch eigene Ideen den von Thumerer verfassten Rap-Text zu Eigen. Text zum Schwörmontags-Rap (0,16 MB, pdf)

Das kindgerechte Werkheft animiert mit zum Knobeln und kreativen Arbeiten. Es behandelt die hiesigen Machtverhältnisse im 14. Jahrhundert, stellt die Frage nach einer gerechten Verteilung von Macht und Bürgerrechten und zeigt, dass unsere Vorfahren durch die demokratischen Elemente des Schwörbriefs Frieden stiften und bürgerschaftlichen Probleme lösen konnten. Die Grafikerin Maike Tiedemann vom Büro Lahaye & Tiedemann entwickelte neben einem kindgerechten Layout auch das neue Maskottchen des Stadtarchivs, eine zeitreisende Schnecke namens Prof. Flitz. Als Vorlage diente ihr eine Zeichnung des Stadtarztes Johannes Franc (1649-1725). Das Werkheft Wieso? Weshalb? Warum? Schwörmontag in Ulm ist Auftakt für eine neue Kinderbuchreihe des Stadtarchivs. Auszug aus dem Werkheft für Kinder zum Schwörmontag (5,48 MB, pdf)

Drei Ulmer Grundschulklassen erhalten am Schwörmontag, vor der Schwörrede von Oberbürgermeister Gunter Czisch, die Möglichkeit einer Live-Schaltung ins Schwörhaus. Die Kinder erhalten vorab die ersten Kapitel des Werkhefts und das Rap-Video zur Vorbereitung und können in einem Videotelefonie-Gespräch mit Kulturpädagogin Thumerer tiefer in die Themen Schwörmontag und Demokratie einsteigen. Was nun als Pilotprojekt beginnt, soll demnächst im wahrsten Sinne des Wortes Schule machen. Nach einer erfolgreichen Testphase mit einigen Klassen sollen dann möglichst viele Schulen die Möglichkeit digitalen Demokratie-Unterricht erhalten.

Die digitale Demokratie- und Kulturvermittlung im Haus der Stadtgeschichte ist ein Projekt der Stadt Ulm und wird mit freundlicher Unterstützung der Gänseblümchen Stiftung für Kinder umgesetzt.